Wie heißt Ihr Beruf in Deutschland, Österreich und in der Schweiz?

 

Ich habe sieben Jahre an der deutsch-schweizerischen Grenze gelebt.

 

Die Grenzen zu überqueren ist für Bodenseebewohner aller drei Länder Alltag.

Auch wenn es meistens nur einige Kilometer bis zur schweizerischen oder österreichischen Grenze sind, man begibt sich in eine andere „linguistische“ Welt.

Die Aussprache ist sehr unterschiedlich.

Beim Einkauf fällt einem auf, dass bestimmte Lebensmittel oder „Dinge“ anders heißen, aber man hat trotzdem das Gefühl:

„Ja, man kann ganz gut miteinander kommunizieren“.

 

Trotz meiner Grenzgängererfahrung ist mir durch meine Mitarbeit an einem Kundenprojekt vor zwei Jahren erst bewusst geworden, wie unterschiedlich das Deutsche in der Schweiz und in Österreich ist. Vor allem bei dem Beruf.

Nie hätte ich gedacht, dass es bei offiziellen Berufsbezeichnungen solche Unterschiede geben kann.

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Die alten Berufe und der Wandel der Zeit

 

Mit den „alten“ Berufen beziehe ich mich auf die Berufe, die es schon seit „langer“ Zeit gibt, und zu denen die Handwerksberufe oder Ausbildungsberufe gehören.

Unter diesen habe ich die meisten Unterschiede und Veränderungen in den Bezeichnungen feststellen können.

Dies liegt wahrscheinlich einerseits daran, dass die Bezeichnungen sehr alt sind und auf Tradition basieren.

Andererseits haben sich die Berufe durch die neuen Erfindungen und Technologien so verändert, dass neue Berufsbezeichnungen erforderlich wurden.

 

Unsere Glücksbringer heißen in der Schweiz Kaminfeger, in Deutschland Schornsteinfeger und in Österreich Rauchfangkehrer.

In Deutschland schneiden uns Friseure die Haare, in der Schweiz sind es die Coiffeure und in Österreich die Friseur und Perückenmacher.

Der jahrhundertealte Dachdecker heißt in Deutschland und Österreich immer noch so, in der Schweiz wurde er zum Polybauern umbenannt.

Der Schweizer Zimmermann ist der österreichische und deutsche Zimmerer.

Im deutschen Wald begegnet uns der Forstwirt, in den Schweizer Wäldern der Forstwart und im österreichischem Wald der Forstfacharbeiter oder Forstwirtschaftsmeister.

 

Heißt der Metzger in Deutschland immer noch offiziell Fleischer, wurde in der Schweiz der Metzger zum Fleischfachmann und in Österreich zum Fleischverarbeiter.

Der gute alte Kfz-Mechaniker wurde in Österreich durch den KFZ-Techniker und in Deutschland durch den KFZ-Mechatroniker ersetzt. Das Schweizer Äquivalent bleibt der Automobil-Mechatroniker.

 

Wählt man in Deutschland oder der Schweiz einen Abgeordneten, so heißt dieser Mandatar in Österreich.

Der Rechtsanwalt in Deutschland und Österreich wird in der Schweiz Advokat oder Fürsprecher genannt.

Die Staus auf den Autobahnen verursachen die Berufskraftfahrer mit ihren LKWs in Deutschland und Österreich, in der Schweiz sind es die Straßentransportfachmänner.

Gebäudereiniger in Deutschland und in der Schweiz haben im Gegensatz zu den österreichischen Denkmal-Fassaden und Gebäudereiniger keine zusätzliche „historische“ Verantwortung.

 

Die neuen Berufe?

Die „neuen“ Berufe werden heutzutage oft mit englischen Namen benannt.

Obwohl sie in den Stellenangeboten gang und gäbe sind (tippe CEO, CTO oder Consultant auf Jobsuchportale) sind sie oftmals nicht als offizielle Berufsbezeichnungen anerkannt.

Während der Human Resource Manager in der Schweiz und in Österreich als neue offizielle Berufsbezeichnung akzeptiert wurde, heißt er in Deutschland immer noch Personalreferent oder Leiter Personal.

Den Facility Manager gibt es in der Schweiz und Deutschland offiziell, in Österreich heißt er Gebäudetechniker.

Beide Berufsbezeichnungen variieren hier jedoch und sind von der Ausbildung und vom Aufgabenbereich abhängig.

 

In großen Gebäudekomplexen benötigen wir, in der Schweiz und in Deutschland, die Hilfe eines Hausmeisters während der Hausversorger in Österreich die kleinen Schäden repariert.

Heizungsinstallateure in der Schweiz heißen Anlagemechaniker Sanitär, Heizungs- und Klimatechnik in Deutschland und Installationstechniker in Österreich.

Weine werden in Deutschland vom Sommelier präsentiert; in der Schweiz ist es die Aufgabe des Weinbutlers.

Die Call Center Agents, die, heißen überall gleich.

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Und wo ist das Deutsche offiziell noch zuhause?

Es ist bekannt, dass Deutschland, die Schweiz und Österreich deutschsprachige Länder sind.

Weniger bekannt ist die sprachliche Situation in Belgien, Luxemburg und Liechtenstein, wo Deutsch zu den Amtssprachen zählt.

Am wenigsten bekannt ist wohl, dass Deutsch in den Provinzen Norditaliens Alto Adige und Trentino eine regionale Amtssprache ist.

Dies wurde mir auch erst bewusst, als ich vor einigen Jahren als neues Mitglied in eine Südtiroler WG in Berlin aufgenommen wurde.

Wie heißen wohl die oben genannten Berufe in diesen anderen deutschsprachigen Ländern?

Es ist spannend zu entdecken, wie unterschiedlich eine Sprache sein kann.

 

 

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